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Das vergessene Dorf oder eine vergessene Stadt


02.12.2020  

Die Stadt Sincelejo wurde 1774 vom spanischen Antonio de La Torre mit dem Namen San Francisco de Asís de Sincelejo gegründet. Sincelejo ist der Name der Cacique Zenú Sincel oder Sincellejo.

Die Stadt hat zwei Feste, am 4. Oktober, dem Fest von San Francisco und am 3. Januar, Fest des Allerheiligsten Namen Jesu (ein Herrenfest im Weihnachtsfestkreis der römisch-katholischen Liturgie). Der Gedenktag wurde von Papst Clemens VII. im Jahr 1530 dem Franziskanerorden gestattet, dem die Förderung der Verehrung des Namens Jesu ein besonderes Anliegen war), einer von San Bernardino de Sahagún geförderten franziskanischen Andacht.

Früher gehörte Sincelejo politisch und geografisch zu Cartagena de Indias, der großen Stadt des spanischen Imperiums in Amerika. Zurzeit ist die Stadt Sincelejo von „Mestizen“ (Mischung aus Spaniern und amerikanischen Ureinwohnern), Afro-Kolumbianern, Indígenas, einer großen libanesischen Kolonie und Zigeuner bevölkert. 

Kirchlich ist es eine Diözese, die 1969 errichtet wurde, und hat derzeit 42 katholische Pfarreien im gesamten Gebiet von Sucre. Sincelejo ist die Hauptstadt von Sucre. Die Diözese ist nach der Hauptstadt benannt.

Die Region zwischen Sincelejo und Uraba ist in vieler Hinsicht ein vernachlässigter Teil Kolumbiens. Diese strukturschwache Region in und um Sincelejo ist außerordentlich stark in den 1990er Jahren durch paramilitärische Gewalt erschüttert worden. Die traumatischen Auswirkungen sind bis heute noch zu verspüren.

Die Gefährdung für Journalisten bei der Ausübung ihrer Arbeit in dieser Region, wird einer der Gründe sein, warum die Medien von Kolumbien und  der Welt dieses Gebiet in der Berichterstattung bisher weitgehend nicht berücksichtigen.   

Weshalb eine Stadt mit ca. 291.000 Einwohnern keinen öffentlichen Busverkehr hat, kann nur das Rathaus von Sincelejo beantworten. Man fährt vor allem mit Kleinmotorrädern, Fahrrädern oder kleinen Taxis. Es ist nicht selten, dass auf einem Motorrad zum Teil 3-4 Personen Platz finden. Es sind wahre Künstler diese Motorradfahrer. Durch die geringsten Lücken finden sie immer ihren Weg.

Liegen auch weitere Verhaltensgründe in der Bevölkerung, die im Hinterland von Sincelejo leben und lebten auch Nachkommen ehemaliger protestantischer und katholischer Einwanderer aus Deutschland, die zum Teil sehr konsequent ihren christlichen Glauben ausüben und durch Massaker aus ihren Orten vertrieben wurden? Sincelejo hat in den letzten 20 Jahren durch die Migration von Bauern in die Stadt einen enormes Wachstum erlebt, das wird als „erzwungene Verdrängung auf Grund von sozio-politischer Gewalt bezeichnet“. Die Stadtplanung von Sincelejo laufe aus den Fugen. Ich meine es ist eine Art freie Bebauung ohne Auflagen und Bebauungsvorschriften wie wir sie von Europa her kennen. Die Straßen von Sincelejo sind so eng und kurvenreich, dass jede Fortbewegung eine Herausforderung ist.  

 

Libanesen in Sincelejo

Nach dem 2. Weltkrieg siedelten sich sehr viele Libanesen in Sincelejo an. Sie gehören der maronitisch-katholischen Kirche an und sind vor allem Geschäftsleute und haben nicht immer einen guten Ruf.

 

34. Nationales Treffen der Blasmusik in Sincelejo

34. Encuentro Nacional de Bandas 2019Eines der großen musikalischen Ereignisse sind die „Encuentros Nacionales de Bandas“ – Nationales Treffen der Blasmusik, die 2019 vom 30.10.-3.11.2019 stattfanden zu Ehren des großartigen kolumbianischen Musikers und Komponisten  Leonardo Gamarra Romero. Die große Liebe zur Musik hat er bereits von seinem Vater Miguel geerbt, ein Liebhaber vom Tango und Rancheras. Sein Vater sang die Lieder von Gardel und Agustin Lara in der Regel in der Nacht.

Es waren überwältigende Tage die in der Hauptstadt von Sucre in Sincelejo stattfanden.

Nicht nur unzählige Blaskapellen treten auf, sondern auch Pferdegruppen aus der Region sowie Tanzgruppen. Es sind große Meister ihres Metiers die Reiter die musikalisch von Blaskapellen (Bandas) begleitet werden. Traditionelle Fandango Tanzpaare haben zwischen den Reitergruppen ihren farbenfrohen Auftritt. Es ist schon beeindruckend wie die stolzen Reiter kunstvoll im Rhythmus der Blasmusik ihre Pferde lenken. Es war ein Auftritt von schwänzelnden hunderten wenn nicht gar 1.000 von Caballos de paso fino Colombianos (Gangpferd-Rasse oder „feiner Gang“). Sogar junge Buben und Mädchen saßen stolz auf denen zum Teil temperamentvollen Pferden. Ein bezaubernder Anblick.

Es wäre schön, wenn auch diese geschichtsträchtige Region von Kolumbien wieder mehr Beachtung finden würde.

Karl Kästle

Quellennachweis:  KOLUMBIEN REISEKOMPASS SEBRA VERLAG und WIKIPEDIA

 

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